In einem Klimastreik in Hannover haben wir eine neu Art von Demo ausprobiert mit thematischen Kleingruppen und am Schluss noch Workshops mit lokalen Gruppen – die alle gut gefüllt waren. Insgesamt hat es gut geklappt und es gab viel positive Resonanz. Ein Lesson Learned gab es: Handlungsanweisungen die von der üblichen Demo abweichen können gar nicht oft genug wiederholt werden! Also vielleicht wie bei der Bahn diese einfach nochmal direkt in gleichen Worten wiederholen, weil es wichtig ist das sie ankommen.
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Demorede
Einleitung (Aufmerksamkeit gewinnen, aktivieren)
Hallo, da sind wir also wieder. Habt ihr euch schon warmgerufen? Nein, dann fangen wir mal an. [Hier gibt es auch andere Methoden: Wie wenn ihr mich hört klatscht einmal, wenn ihr mich hört klatscht zweimal…; Einen gemeinsamen Chor von einem sich wiederholenden Satz]
„What do we want – [Climate Justice]
When do we want it – [Now]“
Das war schon ganz gut für den Anfang, aber das geht noch lauter:
„What do we need – [Climate Justice]
When do we need it – [Now]“
Wer von euch kann noch zählen, wie oft mensch diese Zeilen schon gerufen hat? Einmal Hände hoch [Pause]
Ich kann es jedenfalls nicht mehr und ich sehe damit bin ich nicht die einzige.
Hauptteil (Inhalt, Analyse, Ansätze)
Wie geht es euch damit? Ich bekomme so langsam das Gefühl, dass uns niemand zuhöhrt.
Die Politiker hören uns nicht zu. Unsere Stimmen hallen nur selten bis zu ihren Büros. Falls sie doch von uns lesen, scheint es sie nicht besonders zu interessieren. Anders kann ich mir die aktuelle Klimaschmutzpolitik jedenfalls nicht erklären.
Die Passant*innen hören uns nicht zu, und ich kann sie sogar verstehen. Ich habe auch nicht immer die Zeit mich zu jeder Demo zu stellen, die meinen Weg kreuzt.
Aber wir können uns zuhöhren, und das ist großartig
Hier sind so viele Menschen, mit so vielen Projekten und so vielen kleinen und großen Ideen.
Hier sind hunderte von Menschen, die für Klimagerechtigkeit aktiv sind oder sich fragen, was sie beitragen könnten. Das ist verdammt großartig! Einmal Applaus für euch. [Pause]
Und es gibt noch so viel mehr Menschen, da draußen, denen unsere Welt wichtig ist. So viel mehr Menschen, die heute nicht hier sind, deren Interessen massiv von der Klimakatastrophe bedroht sind.
Denn wir sind wütend. Wütend, dass all die erkämpften Klimagesetze, für 2019 so viele Menschen auf die Straße gegangen sind, wieder zurückgenommen werden.
Wütend, dass Katharina Reiche im September einen 10-Punkte Plan zur „Energiewende“ aufstellt, der in zentralen Punkten quasi vom Positionspapieren der fossilen Energiekonzerne RWE und E.on abgeschrieben ist…
Jetzt stehen wir hier also und demonstrieren wieder für die Energiewende. Aber wie soll das funktionieren, eine Energiewende von einer Wirtschaftsmisterin zu fordern, die komplett mit der Gaslobby verheddert, ach nee, die selber Gaslobbistin ist. Einer Gaslobby, die um sich zu bereichern unbedingt an einem Energieträger festhalten will, der nur Nachteile mit sich bringt: Abhängigkeit von autoritären Staaten, Klimazerstörung, Lebensmittelpreissteigerungen.
Wir sind uns da vielleicht einig, einfach „nur“ wieder mit vielen Menschen auf die Straße zu gehen, wird zu keiner Kehrtwende in der Gas-Schmutz-Politik der Bundesregierung führen.
Aber wenn uns nicht zugehöhrt wird, wenn unsere Forderungen selbst als wir 10.000 anstatt 1000 Menschen auf die Straße brachten nicht umgesetzt wurden, warum machen wir dann immer noch diese Demo? [Pause]
Weil es wichtig ist zusammenzukommen ! [Pause]
Zusammenzukommen, und zu empowern, uns auszutauschen und zu stärken.
Diese Demo haben wir nicht organisiert, weil wir glauben, dass und dann alle Welt zuhöhrt.
Wir haben diesen Ort hier und heute organisiert, um uns zu versammeln.
Als Ort wo wir zusammenkommen, Ideen austauschen und neue entwickeln.
Nicht umsonst wird dieses Event hier auch als Versammlung bezeichnet.
Stellt euch vor eine Demo das hier wäre nicht nur ein Ort, an dem man ein Zeichen setzt, sondern ein Ort, an dem tatsächlich etwas beginnt.
Ein Raum, in dem man nicht nur zuhört, sondern miteinander spricht.
In dem man nicht nur für etwas ist, sondern gemeinsam herausfindet, wie man dafür kämpfen und arbeiten kann.
Was müssen wir dafür verändern?
Wir würden die Rollen verändern, die wir einnehmen. Nicht nur als anwesend sein, sondern beteidigt.
Nicht nur zuhöhren, sondern miteinander sprechen
Nicht nur für einen Moment Teil von etwas zu sein, sondern Strukturen aufzubauen, die darüber hinaus bestehen.
Vielleicht liegt genau darin das ungenutzte Potenzial von Demonstrationen:
dass sie mehr sein könnten als ein Zeichen – nämlich ein Ausgangspunkt.
Ein Ausgangspunkt für Vernetzung.
Für Austausch.
Für gemeinsames Handeln.
Und wenn uns das gelingt, dann gehen wir am Ende nicht einfach nach Hause wie vorher –
sondern nehmen etwas mit, das bleibt.
Und das hier ist unser Ort. Wir können ihn dazu machen.
Ich habe mal gelesen, „dass das erste Treffen zur Planung von Occupy Wall Street“ als altmodische Kundgebung ‚von oben herab‘ began, mit Sprecher*innen, die ihre Redeanteile herunterleierten – bis eine griechische Anarchistin dazwischenfunkte und von ihnen verlangte, statdessen eine horizontale Versammlung abzuhalten. Sie bildete zusammen mit einigen der jüngeren Teilnehmer*innen einen Sitzkreis auf der anderen Seite des Platzes und begann mit einer Versammlung unter Anwendung des Konsensprinzips. Nach und nach kamen immer mehr Leute, die zuvor den „offiziellen“ Sprecher*innen zugehöhrt hatten herüber und schlossen sich dem Kreis an. Es war der 2. August 2011″
Diese Geschichte ist schön, weil sie ein Beispiel dafür ist, das Veränderung nicht einfach von der Bühne aus herbeigeredet werden kann.
Große Dinge fangen dort an, wo sich Menschen auf Augenhöhe zusammentun.
Es kann nicht aus jedem Gespräch eine Massenbesetzung werden. Aber jedes Gespräch ist ein Anfang.
Schluss (Überleitung zur nachfolgeden Moderation)
Wir können voneinander lernen. Wie wir aktiv werden können. Wie wir ein Statement im Diskurs setzten können, wie wir Druck auf die Politik ausüben können, wie wir uns mit unseren Nachbar*innen organisieren können um gegen das geplante Gaskraftwerk oder die Autobahn in unserer Nachbarschaft zu kämpfen.
Auf dieser Demo und danach wollen wir uns zuhöhren und voneinander lernen. In Workshops danach und in Gesprächsblöcken auf dem Weg.
Denn am Ende hängt Veränderung nicht nur davon ab, wie viele wir sind –
sondern davon, wie gut wir organisiert sind, wie sehr wir uns gegenseitig kennen und wie klar wir gemeinsam handeln.
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Moderation:
Wie grade schon gesagt, wir wollen ins Gespräch kommen.
Im Anschluss an den Demozug, gibt es dafür verschiedene Workshops, bei denen Menschen davon erzählen wo sie grade aktiv sind ihr eingeladen seid miteinander ins Gespräch zu kommen und Ideen zu entwickeln.
Aber wir wollen euch natürlich nicht nur auf später vertrösten, sondern auch jetzt schon die Möglichkeit geben neue Menschen kennenzulernen. Damit das etwas einfacher wird, dachten wir uns wir teilen uns mal ein bischen auf.
Wichtig ist, dass ihr erst loslauft, wenn ich alle Treffpunkte vorgestellt habe.
– Wiederstand gegen den Gasausbau → EG Mobivortrag
Trotz Klimakriese und Knappheit von fossilen Energieträgern will die Bundesregierung neue Gaskraftwerke bauen. Ja ihr habt richtig gehöhrt, nicht nur welche weiterbetreiben, auch neue bauen. Die Geschichte läuft in Kreisen und nach der Anti-AKW und der Anti-Kohle bewegung, brauche es jetzt wohl auch noch eine Anti-Gas Bewegung, bevor aus dem geplanten Ausbau ein Ende der Gasverstrohmung wird. Wer sich dazu austauschen möchte, wie das gehen kann, sammelt sich am Schild Wiederstand gegen den Gasausbau. [Ort des Schildes dazusagen]
– Bürgerbegehren als Mittel der Beteidigung und Energiewend → Hannovererneuerbar
Aber auch sonst steckt die Energiewende immer noch in den Kinderschuhen. Vor ein paar Jahren haben es hier in Hannover dennen Menschen geschafft den Verantwortlichen mit einem Bürgerbegehren Dampf zu machen. Wer sich darüber austauschen möchte, was alles mit Bürgerbegehren zu erreichen ist oder wie wir sonst der Energiewende hier vor Ort Dampf machen können, trifft sich beim Schild Bürgibegehren als Mittel für die Energiewende [Ort des Schildes dazusagen]
– Verkehrswende und kein Ausbau des Westschnellwegs → WestProtest
Aber auch die Verkehrswende schaut etwas müde oder eher plattasphaltiert aus der Wäsche. In diesem Jahr soll darüber entschieden werden, ob der Westschnellweg im Bestand saniert wird oder schon wieder viele Bäume für noch mehr Autoverkehr fallen sollen. Wenn ihr euch dazu oder sonst zum Thema Verkehrswende austauschen wollt ist euer Treffpunkt das Schild mit der Aufschrift Verkehrswende. [Ort des Schildes dazusagen]
– Klima und Krieg → Klima und Krieg
Beim Nachrichtenlesen kann man momentan ja das grauen bekommen, vor lauter Kriegen auf der Welt. Aber wie hängen eigentlich Krieg und Klimakatastrophe zusammen? Muss ein Klimagerechtigkeitsbewegung in diesen Zeiten sich auch als antimilitatistisch verstehen? Was bedeutet es für und, dass auf Grund von Ressourcenknappheit über die Streichung von Flügen und die Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern diskutiert wird? Dinge die für das Klima immer unmöglich schienen. Wenn ihr über diese Fragen ins Gespräch kommen wollt, dammelt euch am Schild Zusammenhang von Klima und Krieg. [Ort des Schildes dazusagen]
– Themenoffener Austausch -> Bannermalen
Ihr habt Lust mit neuen Menschen ins Gespräch zu kommen, aber wisst noch nicht wodrüber, dann haltet euch an das Schild Themenoffener Austausch [Ort des Schildes dazusagen]
Ihr habt jetzt ein Lied Zeit um euch zuzusortierten.
Keine sorge wenn ihr nicht genau neben eurem Schild steht, sortiert euch einfach in der Nähe davon zu.
Jetzt steht ihr also neben Menschen, die ähnliche Dinge bewegen wie euch, findet euch doch mal mit zwei Drei anderen Menschen zusammen und stellt euch vor: Wer seid ihr und warum habt ihr euch grade zu diesem Thema zusortiert?
Wir laufen jetzt so langsam los, reiht euch gerne mit euren Gesprächspartnerinnen gemeinsam ein.
Einen schönen Demozug und wir höhren uns auf der Abschlusskundgebung.
Endkundgebung
Da sind wir alle wieder, wir wollen euch garnicht lange aufhalten, sondern euch gleich weiter zu den Workshops ziehen lassen, aber vorher wollen wir nochmal kurz vorstellen was für Themen gleich auf euch warten.
Ihr findet die Veranstaltungen im Schneiderberg 50, gleich hinter dem Mensagebäude vor dem wir hier grade stehen.
[Menschn auf die Bühne bitten]
EG Mobivortrag: Selbstankündigung
Hannovererneuerbar: Selbstankündigung
WestProtest: Selbstankündigung
Klima und Krieg
–
Bannermalen
–
Habt eine gute Zeit

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