
Das Ziel von Platzbesetzungen ist es, Menschen anzusprechen, die sich durch die Faschisierung bewegt fühlen. Sie sollen als lebendiger Ort Menschen verbinden, die schon länger aktiv sind, mit Menschen, die sich ohnmächtig fühlen und noch nie organisiert waren.
Platzbesetzungen sind kein Hexenwerk. Sie müssen nicht komplizierter zu organisieren sein als eine Klassenfahrt oder WG-Party. Sie können ganz klein mit einem Pavillon beginnen und schon mit wenigen Menschen organisiert werden. Hier erfährst du in 10 Schritten, wie du deine eigene Platzbesetzung organisierst.
Ausführliche Antworten findest du in unserem FAQ unten:
10 Schritte zur Platzbesetzung
1 Mapping möglicher Gruppen und Einzelpersonen
Dabei können Gruppen unterschiedliche Rollen einnehmen. Wer könnte die Infrastruktur planen? Wer könnte eine Dauermahnwache anmelden? Wer hat Pavillons, Zelte oder eine Küfa-Infrastruktur? Wer bietet niedrigschwellige Angebote, in die neue Menschen integriert werden können? Dieser erste Schritt kann von einer Person allein gemacht werden.
2 1 zu 1 Gespräche
Persönliche Gespräche mit den Menschen, die vorher gemappt wurden, sind besser als Mails und Signal-Nachrichten. Ziel dieser Gespräche ist, Interesse zu wecken und die Menschen zu einem gemeinsamen Workshop, Plenum etc. einzuladen.
3 Gemeinsamer Workshop
Den können wir (demos neu denken) gerne gemeinsam mit euch durchführen oder wir stellen euch Präsentationen und Materialien zusammen. Ziel des Workshops ist es, gemeinsam zu überlegen, wie eine temporäre Platzbesetzung an eurem Ort aussehen könnte. Am besten bilden sich schon jetzt Arbeitsgruppen für die Bereiche Vernetzung, inhaltliche Arbeit und Organisation. Im Falle mehrerer Gruppen empfiehlt es sich, die Arbeitsgruppen zu mischen, damit neue Verbindungen entstehen.
4 Welche Antifaschistische Bewegung braucht es?
Welche Voraussetzungen brauchen Menschen, um politisch aktiv zu werden? Welche Praxis benötigt es (mehr) gegen die Faschisierung? Diese Fragen müssen wir uns vorab stellen, damit die Platzbesetzung zu keinem Szene-Event wird, sondern zu einem offenen Ort, an dem Menschen, die sich fragen, was sie tun können, ihren politischen Platz finden. Für alle Fragen aus den Schritten vier und fünf erstellen wir detaillierte Antworten, die du auf unserer Website findest: https://demosneudenken.noblogs.org.
5 Infrastruktur vorbereiten
In der Vorbereitungsphase wird vorbereitet, was vorbereitet werden kann. Einige Fragen sind unserer Meinung nach unverzichtbar: Welche Infrastruktur braucht es? Wo soll sie stattfinden? Soll die Platzbesetzung vorab angemeldet werden? Wie soll mit der Öffentlichkeit umgegangen werden?
6 Idee breit verbreiten
Aus der Erfahrung mit Occupy und dem Arabischen Frühling wissen wir, dass online zu den Platzbesetzungen aufgerufen wurde. Die Idee kursierte schon einige Zeit im Netz, sie lag in der Luft. Als sich dann viele unterschiedliche Menschen gleichzeitig auf den Plätzen niederließen, entstand der Eindruck von Spontanität.
7 Demo anmelden Sonntag, 6.September, 18 Uhr
Für den Wahltag oder unmittelbar danach kann eine Demonstration angemeldet und möglichst breit beworben werden. Aus dieser Demonstration kann anschließend der Impuls „Wir bleiben!” hervorgehen. So kann die Platzbesetzung gleich möglichst viele Menschen einbinden. Alternativ kann mit einem Lauti zu einer bestehenden Demo gefahren werden, um dort den Aufruf zu machen, zu bleiben.
8 Temporäre Platzbesetzung – Menschen einbinden und Beziehungen aufbauen
An einem schönen Ort soll eine einladende und gastfreundliche politische Versammlung entstehen. Sie ist zeitlich begrenzt, zum Beispiel auf eine Woche. Das Ziel der temporären Platzbesetzung ist es, möglichst vielen Menschen niedrigschwellige antifaschistische Praxis zu vermitteln. Dafür müssen möglichst viele Gespräche geführt werden. Dabei fragen wir: Wo steht die Person? Wo könnte sie hin? Wenn wir Beziehungen aufbauen, schaffen wir die Grundlage für nachhaltiges politisches Engagement. Wir können außerdem Chatgruppen entlang der Praxis aufbauen, um gemeinsame Austauschräume zu schaffen.
9 Gemeinsam das Ende der Besetzung feiern…
… und den Beginn der politischen Praxis.
10 Politische Praxis verstetigen
Die neu aufgebauten Beziehungen müssen in eine gemeinsame Praxis überführt werden. Dazu können regelmäßige öffentliche Nachtreffen und Austauschrunden organisiert werden.
FAQ Platzbesetzung
Im Organisierungs- und Vernetzungsprozess können einige Fragen entstehen. Die Antworten sind eine Mischung aus strategischen Überlegungen unserer Gruppe und Erfahrungen, die wir aus unterschiedlichen Kontexten gemacht haben. Nutzt diese Fragen gerne als Leitfragen für den Organisierungsprozess und unsere Antworten als Startpunkte für euren Austausch.
Die Fragen haben wir in drei Kategorien unterteilt: Fragen, die die Vernetzung, die inhaltliche Fragen oder die organisatorische Arbeit betreffen. Dazu haben wir sie hierarchisiert in essentiell, kann und nice-to-have. Ob die Fragen für euch wichtig sind, müsst ihr an eurer Vorlaufzeit und Kappas entscheiden.
Wir als Demos neu Denken sind groß genug, euch zu unterstützen, mit Wissen, Austausch und (überregionaler) Vernetzung, und zu klein, um die Platzbesetzungen selbst zu organisieren. Dafür haben wir auch einen überregionalen Vernetzungs- und Bildungsraum.
Wenn du aufgenommen werden willst oder Fragen hast, schreib uns gerne an.
Essential
Wenn ihr es ganz klein macht, dann braucht ihr nur ein Zelt oder einen Pavillon und das ist auch schon einmal ein guter Anfang.
Wenn ihr eine mittelgroße Besetzung plant, gibt es noch ein bisschen mehr zu organisieren. Die benötigte Infrastruktur hängt von der vorgestellten Größe ab. Prinzipiell würden wir sagen, aus Besetzungserfahrungen, dass die Infrastruktur auch mit der Größe wächst und es erstaunlich ist, wie viel Stuff aus allen Winkeln angeschleppt wird, wenn gerade ein Momentum da ist. Klein zu planen bedeutet also nicht, dass es klein bleibt. Im Movement-Wiki gibt es sehr viele Ressourcen zu den unterschiedlichen Arbeitspaketen zu einem Camp, wovon ihr sehr viel übertragen könnt. Lasst euch hier unbedingt Arbeit abnehmen: https://wiki.aktivismus.org/books/camp-wiki-infraunited-de
Versammlungszelt(e): Es sind schon einige Revolutionen sprichwörtlich ins Wasser gefallen und ob die Besetzungen einen Erfolg werden, hängt nicht zuletzt vom Wetter ab. Wir hoffen auf spätsommerliche Tage und Nächte, dann braucht es natürlich weniger Zelte. 😉
Räume, die ein bisschen wetter-, sicht- und geräuschgeschützt sind, sind trotzdem sehr wichtig. Sehr gut gehen Stangengerüstzelte (SG-Zelte). Diese gibt es auch an unterschiedlichen Stellen relativ günstig bis umsonst Schaut mal auf dieser Liste: https://wiki.aktivismus.org/books/camp-wiki-infraunited-de/page/sg-zelte-nicht-iu
Toiletten: Öffentliche Toiletten oder solidarische Beziehungen von angrenzenden Lokalen gehen bei kleinen Platzbesetzungen, kommen aber auch schnell an ihre Grenzen. Deswegen sind Toiletten sehr wichtig und wahrscheinlich der größte Kostenpunkt. Auch hier gibt es einen sehr guten Wiki-Eintrag https://wiki.aktivismus.org/books/camp-wiki-infraunited-de/page/leitfaden-klo. Bei Kompostklos ist die Entsorgung ein ziemlich großes Problem, weil es in Deutschland sehr, sehr wenige Annahmestellen für menschliche Scheiße gibt (unseres Wissens nur eine in Brandenburg). Die einfachste Kombination wird eine Mischung aus Dixies und All-Gender-Pissoirs sein (Bauanleitung gibt es auch im Wiki) oder nur Dixies sein.
Wasser:
Frischwasser: Wenn ihr die Besetzung anmeldet oder gewieft seid, könnt ihr mit einem Standrohr Frischwasser von einem lokalen Hydranten bekommen. Das Standrohr kann man sich bei örtlichen Wasserwerken leihen. Ansonsten könnt ihr mit IBC-Tanks oder Wasserblasen auch Trinkwasser shutteln. Hier geht es zur Anleitung: https://wiki.aktivismus.org/books/camp-wiki-infraunited-de/page/leitfaden-frischwasser
Abwasser: Jede Flüssigkeit, die als Frischwasser auf das Camp kommt, kommt auch wieder raus (ungefähr 10 Liter pro Person). Am einfachsten ist es, es in einen geeigneten Kanal vor Ort zu entsorgen, wenn es den gibt. Ausführliche Anleitung: https://wiki.aktivismus.org/books/camp-wiki-infraunited-de/page/leitfaden-abwasser
Licht und Strom: Batterie-Lichterketten und Akkustrahler sind am einfachsten. Es gibt auch ein paar Saftmobile mit Solarstrom in der Bewegung. Ansonsten kann es auch Festrom von den Behörden geben. Das kann aber auch schnell teuer werden und benötigt viel Bürokratie. Generatoren gehen notfalls auch – sind aber oft ziemlich laut und stinken.
Tendenziell sollte ohne Strom geplant werden. Beamer funktionieren meistens draußen sehr schlecht, wegen Helligkeit. Wenn es dunkler wird, gibt es wenig Solarstrom. Kochen geht vor allem über Gas und braucht keinen Strom.
Müll: Für Müll benötigt es bei einer gewissen Größe schnell Container. Die müssen vorher angemeldet werden und kosten auch Geld. Ansonsten braucht es noch Müllstationen auf der Besetzung. Zur Anleitung geht es hier: https://wiki.aktivismus.org/books/camp-wiki-infraunited-de/page/leitfaden-mull
Möbel: Bierbankgarnituren sind der einfachste Weg für viele Sitzplätze und Tische. Die könnt ihr lokal gut ausleihen und oft haben die Kreisjugendringe, wo ihr vielleicht auch die Zelte her habt, auch diese zum Verleihen. Sofas und so werden oft angeschleppt und es gibt sie auf eBay oft zu verschenken. Regale kann man unkompliziert bauen (Querstreben nicht vergessen) und zum Lagern sind Europaletten auch immer nützlich.
Küfa: Die Küfa kann schnell das Herzstück einer Besetzung werden. Am wenigsten aufwendig von der Infrastruktur her ist es, wenn in einer schon bestehenden Küche gekocht wird – was aber Charme nehmen kann. Für eine Küfa vor Ort fragt am besten eure lokale Küfa oder Jugendringe an. Ansonsten sind Hockerkocher mit Gasflasche und größeren Töpfen die einfachste Lösung. Zu Not reicht ein Set davon, für Eintopf sind besser zwei Sets. Ansonsten braucht es den üblichen Stuff: ein paar Schneidebretter, Messer, einen größeren Kochlöffel (kann man schnitzen oder ein sauberes Brett nehmen), Suppenkellen, eine Geschirrlösung.
Zum Abwaschen braucht es noch Spülwannen. Wenn es mehr Geschirr gibt, sind drei Wannen gut, um eine Spülstraße daraus zu machen (grobes Abspülen, Spüli-Wanne, heißes-Wasser-Wanne).
Das wären die Essentials.
Darüber hinaus gibt es noch Dinge, die eine Platzbesetzung schön und anziehend machen.
Kultur – Musik macht einen schönen und einladenden Eindruck. Bei den Geziparkprotesten stand zum Beispiel ein Klavier mitten auf dem Platz, wo unterschiedliche Menschen viel drauf gespielt haben.
Feuertonnen können gemütliche soziale Räume schaffen, die dazu einladen, sich dazu zu gesellen. Wenn kein Feuer möglich ist, vielleicht ein Teppich, auf dem man sich setzen kann.
Es ist auch schön, sich direkt etwas für Kinder zu überlegen und was Kinder an so einem Ort brauchen könnten. Das macht einen Ort direkt sehr viel lebendiger, wenn Kinder sich auch wohlfühlen können.
Kreativmaterialien zum Bannermalen sind auch immer schön und sind einfache Tätigkeiten, um miteinander ins Gespräch zu kommen.
Tobt euch aus, es gibt viele Wege, eine Platzbesetzung schön zu machen. 🙂
Wir benutzen den Begriff Platzbesetzung, um auf die vielfältige und reiche linke Geschichte Bezug zu nehmen. Dabei ist für uns offen, was der rechtliche Status der Platzbesetzung sein soll. Wir sehen vor allem drei Optionen mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen.
Erstens: Im Vorhinein anmelden: Diese Option meint die Platzbesetzung, d. h. dann das Camp, im Vorhinein wie jede normale Demo als Versammlung anzumelden. Prinzipiell muss solchen Versammlungen stattgegeben werden und Camps wie das System Change Camp oder auch Aktionscamps wählen diesen Weg. Der Vorteil ist, dass die Wahrscheinlichkeit von Räumung und Polizeikonfrontation geringer ist und dadurch das Camp niedrigschwelliger für Menschen sein könnte. Außerdem kann ein Wasser- und Feststromanschluss angemeldet werden. Der Nachteil ist, dass Repressionen gegenüber dem Camp sehr unsichtbar gegenüber der Öffentlichkeit sind und öfter auch der Rechtsweg beschritten werden muss, um an den gewünschten Stellen das Camp aufschlagen zu können. Außerdem wird es sehr viele Auflagen geben, die ihr dann erfüllen werden müsst, und die Küfa wird wahrscheinlich das Gesundheitsamt abnehmen etc. Was viel Raum gibt, schikaniert zu werden und einen direkt auf die Kooperationsebene zwingt.
Zweitens: Den Platz einnehmen und dann legalisieren zu lassen: Die Option meint, erstmal als spontane Kundgebung den Platz zu besetzen und dann auf die wahrscheinlich kommenden Angebote einzugehen. Prinzipiell sind auch spontane Versammlungen legal und brauchen einen Grund, geräumt zu werden. Der Vorteil ist, dass erstmal Fakten geschaffen werden können und erstmal der Charakter des Camps bestimmt werden kann, aber dann die Räumungsgefahr relativ schnell eingedämmt werden kann, so dass es ein relativ entspannter Raum werden kann. Der Nachteil ist, dass es auch zu Auflagen kommen wird und es auch willkürlich ist, welche das sind, und dass das wahrscheinlich zu der Diskussion führen wird, ob ihr euch daran halten wollt oder nicht.
Drittens: Den Platz einfach besetzen und nicht kooperieren: Diese Option ist die einer klassischen Besetzung. Der Vorteil ist, dass es direkt den widerständigen Charakter zum Staat ausdrückt und es erstmal keine Auflagen gibt. Der Nachteil ist, dass es die Besetzung schnell hochschwellig macht, da sich viele Menschen nicht wohlfühlen werden, direkt in dieses Verhältnis zum Staat zu gehen, und die Räumungsgefahr stetig über der Besetzung hängen kann und im Zweifel zu permanenten Diskussionen zu diesem Thema führen könnte. Damit könnten die Räume für die Thematisierung von Faschisierung verkleinert werden. Die Atmosphäre könnte ein permanenter Stress sein.
Ob Räumungsstress, Auflagendiskussion oder alternative Versammlungsorte: Repressionen wird es immer geben und es ist eine strategische Frage, welchen Repressionen wir uns aussetzen wollen. Wir würden nicht sagen, dass es hier eine klar bessere Option gibt, wobei einige von uns mit Option zwei liebäugeln.
Das Wort „Platzbesetzungen“ ist missverständlich – denn es geht nicht allein um Plätze. Orte, die unserer Meinung nach gut geeignet sind: Parks, gesellige Orte, Orte des Lebens und Zusammenkommens. Vermieden werden sollten Rathausplätze und Orte vor anderen offiziellen Institutionen. Die Platzbesetzung sollte symbolisch nicht den Eindruck erwecken, sie würde an Politiker*innen und Offizielle appellieren. Als Orte gelebter Demokratie sollte sie dort sein, wo wir uns selbst und andere sich gerne aufhalten.
Aus unserer Sicht ist die Frage zentral, welche Voraussetzungen Menschen brauchen, um aktiv zu werden. Deshalb hier nur einige Thesen. Grundsätzlich gilt: Radikalisierungsprozesse sind Laufbahnen. Viele organisierte Menschen haben ihr Engagement nicht in einer linken Orga begonnen. Sie haben sich dorthin entwickelt, ein Ehrenamt ausgeübt, an einem politischen Ereignis teilgenommen, sich informiert, mehrere Gruppen ausprobiert. Um Menschen einzunehmen, müssen wir sie nehmen, wie sie sind – mit der Erfahrung, die sie haben. Gleichzeitig müssen wir uns fragen: Was könnten sie sein? Wir müssen ihnen die Chance geben, die Entwicklung zu gehen, die wir selbst auch gegangen sind.
Fünf Thesen
- Menschen wollen als Menschen ernstgenommen werden und nicht als politisches Mittel betrachtet werden. Wir alle haben eine Geschichte, haben Stolz und Werte – darin wollen wir gesehen werden. Deshalb ist Zuhören wichtig.
- Menschen brauchen eindeutige Praktiken, in denen sie sich als Handelnde erleben können. Für einen niedrigschwelligen Einstieg benötigt es deswegen eine niedrigschwellige Taktik. Bei FFF waren es Schulstreiks und Studierendenvollversammlungen, für Wiedersetzen ist es, Menschen in Blockaden zu bringen, für eine Nachbarschaftsinitiative könnten es Haustürgespräche sein, für Aufstehen gegen Rassismus sind es Stammtischkämpfer*innen, Solidarität mit Geflüchteten, Sprachcafés oder feministische Solidaritätsnetzwerke sein.
- Menschen lernen in Beziehungen. Beziehungen entstehen, wenn wir uns einander öffnen, uns kennenlernen und in Kontakt bleiben. Wir glauben, unsere Angebote bedürfen mehr Gastfreundlichkeit. Menschen kommen aus Interesse und bleiben, weil sie sich wohlfühlen – das muss sich in unserem Miteinander wiederfinden.
- Ehrlichkeit und Transparenz, warum wir selbst aktiv sind. Was ist unsere eigene politische Geschichte? Im Organizing gibt es die Herz-, Kopf-, Hand-Metaphorik. Warum bewegt uns die Faschisierung? (Herz) Was ist das eigentliche Problem? (Kopf) Was können wir dagegen tun? (Hand). Herz ohne Kopf ist planlos. Kopf ohne Herz fehlt das Empathische Ohne Hand fühlen wir uns ohnmächtig Erst mit Ehrlichkeit und Transparenz entsteht Vertrauen.
- Neue Menschen brauchen Struktur: gut organisierte Plenas mit klaren Zeiten, eine klare Praxis, eine verlässliche Infrastruktur, Menschen, die ansprechbar sind. Nicht verständliche Diskussionen führen dagegen zu Ohnmacht und Frust. Eine Aufgabenteilung entlang von offenen Angeboten, Aktiventreff und Kernaktiven kann das Mitmachen vereinfachen.
- Welche Praxis benötigt es (mehr) gegen die Faschisierung? (Topie)
Es gibt nicht die richtige Antwort auf diese Frage – nutzt sie gerne, um als Gruppe ins Gespräch über Strategie zu kommen. Wir glauben, dass es gegen die Faschisierung vor allem Praxen von konkreter Solidarität und Kämpfen braucht, die mit einer radikalen Vision von einer befreiten Gesellschaft geführt werden. Die Klimagerechtigkeitsbewegung war zum Beispiel im Gegenteil dazu sehr aktionszentriert und damit – auch an den Stellen, wo sie es nicht wollte – sehr appellativ Gegen einen Klassenkampf von oben, einen autoritären Umbau und rechte Politiker ist es offensichtlich, dass Forderungen aufstellen nichts bringt.
Wir brauchen also Praktiken, die Gegenmacht von unten in bestehenden sozialen Gefügen aufbauen und die berechtigte Empörung, die es gegenüber dem bestehenden System gibt, einer linken Vision gegenüberstellen Deswegen glauben wir, dass Praktiken wie Stadtteilarbeit, Mieter*innenbewegung, feministische offene Treffs etc. es in der zukünftigen Bewegung mehr braucht und genau diese Praktiken auch eine Langfristigkeit in sich tragen, die unseren Zielen auch gerecht wird.
Es gibt nicht die richtige Antwort auf diese Frage – nutzt sie gerne, um als Gruppe ins Gespräch über Strategie zu kommen. Wir glauben, dass es gegen die Faschisierung vor allem Praxen von konkreter Solidarität und Kämpfen braucht, die mit einer radikalen Vision von einer befreiten Gesellschaft geführt werden. Die Klimagerechtigkeitsbewegung war zum Beispiel im Gegenteil dazu sehr aktionszentriert und damit – auch an den Stellen, wo sie es nicht wollte – sehr appellativ. Gegen einen Klassenkampf von oben, einen autoritären Umbau und rechte Politiker ist es offensichtlich, dass Forderungen aufstellen nichts bringt.
Wir brauchen also Praktiken, die Gegenmacht von unten in bestehenden sozialen Gefügen aufbauen und die berechtigte Empörung, die es gegenüber dem bestehenden System gibt, einer linken Vision gegenüberstellen. Deswegen glauben wir, dass Praktiken wie Stadtteilarbeit, Mieter*innenbewegung, feministische offene Treffs etc. es in der zukünftigen Bewegung mehr braucht und genau diese Praktiken auch eine Langfristigkeit in sich tragen, die unseren Zielen auch gerecht wird.
Platzbesetzungen leben von einer Kultur der Einbindung und Begegnung unter Gleichen. Man tauscht sich aus, lernt voneinander, übersetzt seine privaten Erfahrungen in ein Bewusstsein der allen gemeinsamen Misere. Sie müssen also als Orte des Austauschs und der Gemeinschaftlichkeit gestaltet sein: partizipatives statt nur Frontalvorträge, offenes Programm statt geschlossene Orgazelte, Zugänglichkeit statt Szenecodes. Wenn es eine Küche für alle gibt, dann so, dass Menschen sich zueinandersetzen können. Das heißt auch: Differenz ertragen. Nicht alle werden im gleichen Maße und auf die gleiche Weise vorpolitisiert sein, aber gerade deshalb muss erfahrbar gemacht werden, welche Interessen uns gegen die Herrschenden einen. Nur so wird aus der Platzbesetzung eine utopische Selbstermächtigung statt liberaler Selbstvergewisserung oder radikalitätsfetischistischer Selbstinszenierung.
Für einen Antifaschismus, der in die Gesellschaft wirkt, müssen wir jede Form linker Überheblichkeit hinter uns lassen – strategielose Antagonisierung aus Prinzip genauso wie oberlehrerhafte Marxmonologe. Das heißt aber gerade nicht, vorauseilend einen liberalen Minimalkonsens gegen Rechts anzunehmen, weil man seinem Gegenüber nicht mehr zutraut, sondern ehrliche Agitation auf Augenhöhe, Erfahrungsaustausch, Überzeugungsarbeit und schließlich Organisierung: Was passiert nach der Platzbesetzung? Welche Praxis würde zur jeweiligen Person, ihrem Leben, ihren Erfahrungswerten passen? Nur im persönlichen Kontakt ist der Vereinzelung etwas entgegenzusetzen und eine längerfristige Beteiligung zu erreichen.
Kann
Wir unterscheiden zwischen Orgas, die initiieren, und Orgas, die aufspringen. Bei den Orgas, die initiieren, ist wichtig, eine grundlegend geteilte Vorstellung über die Absicht und Ausgestaltung der Platzbesetzung zu haben. Im späteren Prozess können weitere auch bürgerliche Orgas aufspringen.
Außerdem sehen wir eine Aufgabenteilung zwischen einer Gruppe, die sich mit den grundsätzlichen Infrastrukturfragen beschäftigt (Ort, Toiletten, Anmeldung, Vernetzung etc.), und Gruppen, die in ihre niedrigschwellige Taktik einführen und sich vorrangig darauf konzentrieren.
Die temporären Platzbesetzungen können von ganz unterschiedlichen Startbedingungen aus organisiert werden. Beispielsweise in einer Kleingruppe, einer bestehenden Organisation oder im Rahmen eines gemeinsamen Prozesses von interessierten Organisationen und Einzelpersonen. Für den gemeinsamen Prozess gibt es zwei Hauptfragen: Erstens: Wie kann sich die Idee der temporären Platzbesetzungen kollektiv angeeignet werden? Und zweitens: Wie entsteht Verbindlichkeit bei der Umsetzung?
Wir können dich durch jeden der nachfolgenden Schritte begleiten und haben Materialien, die dich unterstützen. Schreib uns dafür eine Mail.
Erster Schritt ist ein Mapping möglicher infragekommender Gruppen und Einzelpersonen. Dabei können Gruppen unterschiedliche Rollen einnehmen. Wer könnte die Infrastruktur planen? Wer könnte eine Dauermahnwache anmelden Wer hat Pavillons, Zelte oder Küfa-Infrastruktur? Wer bietet niedrigschwellige Praxis an, in die neue Menschen integriert werden können? Dieser erste Schritt kann schon eine Person alleine machen.
Zweiter Schritt: 1-zu-1-Gespräche führen. Besser als Mails und Signal-Nachrichten sind persönliche Gespräche mit den Menschen, die vorher gemappt wurden. Ziel dieser Gespräche ist, Interesse zu wecken und zu einem gemeinsamen Workshop, Plenum etc. einzuladen.
Drittens: gemeinsamer Workshop. Den können wir auch gerne halten oder wir stellen euch Präsentationen und Materialien zusammen. Ziel von dem Workshop ist, gemeinsam zu überlegen: Wie könnte eine temporäre Platzbesetzung in meinem Ort aussehen? Am besten bilden sich schon jetzt Arbeitsgruppen (Infrastruktur, Netzwerke, Programm, Öffentlichkeit etc.). Im Falle mehrerer Gruppen empfiehlt es sich, Arbeitsgruppen zu mixen, dann entstehen neue Verbindungen.
Schritt vier: regelmäßige Treffen und gemeinsame Vorbereitung
Aus unserer Erfahrung ist es wichtig, sich aktiv für eine temporäre Platzbesetzung zu entscheiden. Um die Hemmschwelle der Organisation zu nehmen, reicht auch ein einzelner Pavillon als Anfang. Wer sich eine gelungene Klassenfahrt vorstellen kann, hat auch die meisten Fähigkeiten, um eine gelungene Platzbesetzung zu organisieren.
Es hilft zu diesen Punkten eine Haltung zu besitzen, da sie für viel Streit sorgen können. Gleichzeitig entstehende Aushandlungsprozesse Konflikt getrieben – ein Konflikt ist nichts schlechtes und stellt nur die konstruktive Frage vom Umgang mit diesen. Es gibt unterschiedliche Umgangswege und wir wollen ein paar von diesen hier zusammen stellen.
Wir halten es für sinnvoll, keine Forderungen zu stellen. Forderungen haben unterschiedliche strategische Nachteile:
1. Sie appellieren an die Herrschenden und bringen uns in eine passive und ohnmächtige Position.
2. Sie bieten den Herrschenden einen einfachen Spaltungspunkt, auf uns symbolisch einzugehen und uns damit einzuhegen in unseren emanzipatorischen Forderungen.
3. Gesellschaftliche Veränderung ist eine Frage von Kräfteverhältnissen. Selbst die einfachste Forderung, wie zum Beispiel das Tempolimit von der Letzten Generation, wird nicht umgesetzt, wenn wir nicht die Gegenmacht dazu haben.
4. Die Angst vor den Linken und der Revolution waren historisch der Ausgangspunkt für Reformen und nicht die Forderungen zu diesen.
5. Faschismus lässt sich nicht aufhalten, indem wir es fordern.
Die Schwierigkeit bei Pressearbeit ist es, kollektiv sprechfähig zu werden, weil die Presse die Anforderung stellt, zu allen möglichen Themen eine Position zu haben. In Bündnisprozessen können schon die Kernbotschaften viel Aushandlungen bedeuten und auf der Platzbesetzung selbst wird es noch viel heterogener.
Eine Möglichkeit ist der Grundsatz: „Niemand spricht für die Platzbesetzungen, sondern nur für die eigene Gruppe oder als Einzelperson.“ Da die Platzbesetzungen keine Forderungen aufstellen sollten, weil sie nicht appellativ wahrgenommen werden sollten, ist auch die einheitliche Pressearbeit nicht so wichtig. Dann müsste nur noch geklärt werden, wann wer spricht. Das könnte per Los passieren, wer gerade da ist, oder wer Perspektiven vertritt, die wir für unterrepräsentiert halten.
Eine zweite Möglichkeit ist eine autonome Presse-AG: Die Menschen, die sich für Pressearbeit interessieren, gehen in diese und die Presse-AG ist in der Lage, autonom Kernbotschaften zu entwickeln. Das würde eine gewisse Handlungsfähigkeit ermöglichen, weil nicht mit allen beteiligten Menschen Konsensprozesse geführt werden würden.
Gefahr: Die Occupy-Bewegung Deutschland hatte versucht, als Camp eine einheitliche Position zu finden, und an vielen Orten war dies dann die Haupttätigkeit in den Plenas. Da es aber auch enorme Fluktuation gab, konnte dies nicht funktionieren. Wir würden sehr empfehlen, einen pragmatischen Weg zu gehen und sich hier nicht zu verrennen.
Das Hauptziel für die Platzbesetzungen ist Bewegungsaufbau, die wichtigste Öffentlichkeit ist die, die wir mit der Platzbesetzung selbst vor Ort schaffen.
Autoritäres Verhalten: Wir finden die roten Linien vom System Change Camp einen guten Ausgangspunkt für die Diskussion. Offen bleibt jedoch hier, was passiert, wenn diese verletzt werden:
Wir vertreten eine antiautoritäre Grundhaltung und kämpfen für eine hierarchieärmere Welt. Das erwarten wir auch von allen Teilnehmenden des Camps.
Das Camp ist ein Ort der Diskussion und des pluralistischen Austauschs. Verschiedene Gruppen sollen hier gleichberechtigt Raum einnehmen können und auch gerne durch Symbole und/oder Gespräche für Menschen sichtbar sein. Allerdings soll keine Gruppe den Diskurs dominieren oder den Charakter des Camps durch das übermäßige Zeigen von Organisationssymbolen oder Fahnen zu stark prägen. Wir möchten einander ehrlich und auf Augenhöhe begegnen.
Wenn Organisationen das Camp für ihre Zwecke ausnutzen und Campprozesse instrumentalisieren bzw. vereinnahmen, überschreitet das für uns eine klare Grenze. Wir wollen nicht, dass die eigene Gruppe oder Ideologie permanent und aggressiv beworben wird, etwa durch das aufdringliche Verteilen von Flyern oder auch das unverhältnismäßige Dominieren von Diskussionsrunden [Anmerkung DnD: Hier braucht es Augenmaß zwischen einer organisierenden Haltung und dem Belästigen anderer durch Sektierertum (= d. h. sich selbst als die einzige revolutionäre Gruppe zu betrachten)]. Wir lehnen es ab, wenn auf dem Camp Menschen für eine Organisation angeworben werden, ohne dass die Personen aus der Organisation ehrlich darüber sind, was das für diese Menschen bedeutet.
Wir dulden kein manipulatives oder verletzendes verbales Verhalten, keine physische Gewalt und kein Outcalling von Klarnamen.
Auch hier finden wir die Formulierung vom System Change Camp einen hilfreichen Ausgangspunkt für die Diskussion:
Das SCC spricht sich für eine Welt ohne Grenzen und gegen die Glorifizierung von Nationalstaaten aus.
Wir sind der Meinung, dass Nationalismus oder nationale Bewegungen als Ideen dazu führen, dass es zu mehr Gewalt, Krieg und Unterdrückung und Hierarchien kommt. Das Orga-Team des SCC wünscht sich daher ein Camp frei von Nationalismus und nationalistischer Symbolik, worunter auch Nationalflaggen gehören.
Gleichzeitig sind Nationalflaggen oft ein Symbol in antikolonialen Kämpfen, um auf Unterdrückung aufmerksam zu machen, und Flaggen können stellvertretend für emanzipatorische Kämpfe stehen, die weit über die Bedeutsamkeit von Nationalstaaten hinausreichen.
Wir bitten alle Teilnehmenden darum, sensibel mit diesem Spannungsfeld umzugehen und sich in Konflikten selbstständig kritisch damit auseinanderzusetzen, welche Symbole mit welcher Geschichte auf dem Camp zu sehen sind. Dabei wollen wir besonders darauf aufmerksam machen, dass Flaggen für unterschiedliche Menschen unterschiedliche Bedeutungen haben und triggernd wirken können. Wir bitten deshalb gerade in diesem Zusammenhang um einen kooperativen Umgang miteinander, damit unterschiedliche Bedürfnisse diesbezüglich Raum haben können. Wir sind solidarisch mit den Kämpfen von Menschen gegen unterdrückerische, gewaltvolle und hierarchische Strukturen.
Ein Hauptproblem der Proteste gegen Rechts war, dass sie von Parteien genutzt worden sind, um sich selbst als „demokratisch“ moralisch reinzuwaschen vom Prozess der Faschisierung, den sie vorantreiben. Wir empfehlen, dass das Camp grundsätzlich frei von Parteien ist, um einen staatstragenden, status quo bejahenden Eindruck zu verhindern. Gleichzeitig sind Parteien extrem hierarchisch organisiert und es gibt etliche engagierte Menschen an der Basis, die unser Anliegen teilen. Für diese Menschen sollte die Platzbesetzung ein offener Ort sein.
Mit einigen Teilen der Linkspartei und Orgas, die der Linkspartei nahestehen, hat im Vorfeld Vernetzung stattgefunden und wir halten es für möglich, dass sie im Zuge der Erneuerung der Linkspartei eine Schnittstelle in die Parlamente sein könnte. Uns ist jedoch wichtig zu betonen, dass das zentrale Anliegen der Aufbau einer neuen antifaschistischen Bewegung ist. Jegliches Verantwortungsverschieben auf Wähler*innen und Parlamente wird weder den Ursachen von Faschisierung gerecht noch der Dringlichkeit einer Veränderung.
Wir würden uns wünschen, dass mit diesem Spannungsverhältnis nach Augenmaß umgegangen wird und dass wir unsere Analyse vom Faschismus anhand der Frage von Parteien schärfen und uns gleichzeitig nicht in Theoriediskussionen verrennen.
In Protestmomenten lässt sich manchmal nicht mehr als eine Kernerkenntnis vermitteln. Umso wichtiger ist ein gut überlegtes Narrativ. Wir haben für uns zunächst fünf Grundanforderungen an das Narrativ gestellt.
1. Es soll unterschiedliche Dimensionen der Faschisierung (z. B. Militarisierung, Maskulinisierung, Grenzregime, Kürzungspolitik, Überwachung etc.) in den Blick nehmen (und nicht nur die AFD).
2. Es soll eine allgemeine Herrschaftskritik und Systemkritik formuliert werden und nicht nur andere Politiker*innen und Parteien gefordert werden.
3. Es soll ein neues „Wir“ konstruieren, wie das bei Occupy „We are the 99 %“ der Fall war.
4. Es soll nicht den Eindruck „Wir sind die Guten“ und „ihr die Schlechten“ reproduzieren.
5. Es soll zum Handeln anregen, indem eine positive Zukunft gezeichnet wird.
Das eine Narrativ, das alle vier Grundanforderungen gleichermaßen abdeckt, haben zumindest wir nicht gefunden. Aber wir haben einige Ideen für Metanarrative und Narrative zu den einzelnen Anforderungen.
Metanarrativ: Statt Verzweiflung: Widerstand!
Faschisierung und Herrschaftskritik
- Wer heute kürzt, hat morgen Faschismus.
- Zusammen gegen AfD und Faschisierung
- Wir zahlen nicht für eure Krise.
- Eure Ordnung ist unsere Krise.
- Eure Aufrüstung ist ein Angriff auf uns.
- Sie begegnen uns mit Kälte, wir miteinander mit Wärme.
Handlungsaufforderung und positive Zukunft
- Antifaschismus heißt Zusammenhalt, soziale Gerechtigkeit und echte Demokratie.
- Wenn wir mit Füßen getreten werden, müssen wir uns zusammenschließen.
- Wer soll den Faschismus aufhalten, wenn nicht wir selbst?
- Sie wollen Befehlen – wir miteinander reden.
- Zusammenhalt beginnt an der eigenen Haustür
- Lasst uns zusammen Platz nehmen.
- Zusammen für soziale Gerechtigkeit und echte Demokratie
- Für eine Zukunft, in der wir eine Perspektive haben
Wer wir sind
- Wir sind die 99 %
- Wütenden
- Hoffnungsvollen
Grundsätzlich sollten die Inhalte auf der Platzbesetzung möglichst offen, möglichst partizipativ und im eigenen Leben ansetzen. Ein vorgefertigtes Programm, in dem sich nacheinander alle Gruppen in der Stadt vorstellen, wird nicht die Lebendigkeit mit sich bringen, die wir für den Bewegungsaufbau.
Am besten sind sehr viele offene Spaces und Austauschrunden, die viel Raum geben, miteinander ins Gespräch zu kommen und Verbündete für das eigene Anliegen zu finden. Für (Ritual-)Demos haben wir in Richtung von thematischen Kleingruppen gedacht, die auch hier sinnvoll wären: Die eine Gruppe tauscht sich mit rechten Familienmitgliedern aus, die anderen gegen Alltagsrassismus oder ungleiche Care-Verteilung In diesen Gruppen begegnen sich dann Menschen, die ein Anliegen teilen, was die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich vernetzen und vielleicht wieder treffen, deutlich erhöht. Gleichzeitig können diese Kleingruppen von Politgruppen angeleitet werden, die zu diesem Thema arbeiten und dadurch die Möglichkeit haben, direkt auf Menschen zuzugehen.
Grundsätzlich sollten die Inhalte wenig voraussetzungsvoll, szenig oder linke Theorieabhandlungen sein. Sondern klar in der Haltung und Analyse und immer konkret mit einer Praxis verbunden. Dafür ist es wichtig, dass sich alle Orgas überlegen, was ihre niedrigschwellige Taktik ist, womit Menschen beginnen können, aktiv zu werden.
Platzbesetzung suggeriert hohe Sicherheitsvorkehrungen, Absprachen zwischen wenigen Eingeweihten und klandestine Treffen. Wir glauben, das Gegenteil sollte der Fall sein. Von Occupy und den arabischen Frühling gibt es die Erfahrung, dass online zu den Platzbesetzungen aufgerufen wurde. Die Idee kursierte schon einige Zeit im Netz, sie lag in der Luft. Als sich dann viele unterschiedliche Menschen gleichzeitig auf den Plätzen niederließen, entstand der Eindruck von Spontanität. Die Platzbesetzungen sollen keine Inszenierung linker Radikalität sein, sondern besorgten, ängstlichen und verzweifelten Menschen konkrete Praxis vermitteln. Sie müssen offen sein. Dieser Eindruck wird vereinfacht, wenn bereits vorher eine Diskussion über die temporären Platzbesetzungen stattfindet.